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Du, ich und er (2): Amor und das Kalb

Dezember 7th, 2011 · Keine Kommentare

Die Lebensgeister kehren zurück. Schokolade war gestern. Aus Rotwein mache ich im günstigsten Fall noch Rotweinkuchen. Ich verfalle in Euphorie. Umrahmt von geretteten Seelen, die ihre weichen Schnauzen in meine Armbeuge graben, träume ich wunderschöne Tagträume und kann es kaum erwarten, meinem Schatz von meinen Plänen zu erzählen.

Mit finsterer Mine lauscht er meinen Schilderungen. Er hasse Hunde, tönt er böse. Sie sabbern, stinken, haaren und wenn man Pech hat, beissen sie auch noch. Mit so einer Bestie wolle er auf keinen Fall unter einem Dach leben. Dann ziehe er aus! Meine geretteten Seelen bekommen plötzlich wüste Fratzen. Die Euphorie ist dahin.

Einige Tage später suchen wir gemeinsam das örtliche Tierheim auf. Ein kleiner Hund soll es werden, kaum größer als  ein Meerschweinchen, nicht haarend, wohlerzogen, sauber und frei von Sabberfäden.

Der Besuch im Tierheim überwältigt mich. So viele unendlich traurige Hundeaugen blicken mich an, rufen stumm nach Hilfe, sehen sich nach einer Familie und nach Geborgenheit. Hunde, von denen viele sicher Schreckliches erlebt haben. Es schnürt mir den Hals zu. Plötzlich habe ich das Gefühl, daß meine Blicke von einer fremden Macht in eine bestimmte Richtung gelenkt werden. Da sitzt du in einem kahlen Zwinger. Weiß, haarig und groß wie ein Kalb. Links und rechts hängen Sabberfäden an den Lefzen. Du siehst mich an. Ich höre, wie Freund Amor den Bogen spannt und einen seiner kleinen Pfeile in meine Richtung schiesst. Päng! Vollreffer! Ich weiß Bescheid. Du oder keiner!

Ein haariges Kalb. Und wie der sabbert… Er tobt. Der Hund von Baskerville komme ihm nicht ins Haus, verkündet er lautstark und hüpft dabei durch’s Zimmer wie Rumpelstilzchen es einst getan haben muß. Nein, nein, nein. Dann ziehe er jetzt sofort aus.

Während er tobt, sitze ich auf dem Sofa, lasse lautstarke Schimpftiraden über mich ergehen und male mir aus, wie es sein wird, so ganz alleine, mit dir. Eine traurige Vorstellung. Aber Freund Amor hat getroffen. Es gibt kein zurück. Du und ich, wir wissen das längst! Die Geschichte wird neu geschrieben, das Leben zweier Menschen komplett auf den Kopf gestellt. Du ziehst ein. Er bleibt. Und ich liebe euch beide!

(Fortsetzung folgt)

Tags: Kolumne

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