Früher habe ich viel Zeit in verqualmten und finsteren Kneipen verbracht. Sie konnten nicht finster genug sein. Dort tummelten sich die wahrhaft interessanten Leute, die, die was zu sagen hatten, die, die schon viel erlebt hatten. Ich lauschte gerne ihren Worten. Bestaunte ihre Heldentaten. Lies mich inspirieren.
Heute, Lichtjahre später, habe ich einen Hund und verbringe meine Freizeit vornehmlich an der frischen Luft. Das Wetter spielt keine Rolle. Während ich früher, an Regentagen, gemütlich mit der Katze auf dem Sofa gelegen und die Sendung mit der Maus geguckt hatte, zwänge ich mit heute in Gummistiefel, steife Regenjacken und wasserabweisende Mützen. Raus geht’s. Minusgrade, Platzregen, Dreck – egal. Dir ist es ohnehin einerlei. Als hättest du ab Werk eine innere Uhr eingebaut bekommen, stehst du da, schaust mich mit diesem vorwurfsvoll-leidenden Blick aus deinen mandelförmigen Augen an und lässt keine Minute der Verzögerung zu. Du willst raus an die frische Luft. Gassi gehen! Neuerdings schaffe ich mir meine eigenen Heldentaten.
Du liebst es, durch Dreck und Matsch zu pflügen, deine Nase in unförmige, stinkende Hundehaufen zu stecken und so ganz nebenbei auch noch ein paar alte Wurst- und Käsebrote einzusammeln. Und ich liebe dich. Deshalb sehe ich geflissentlich über all die mit “Pfui” und “Bääh” behafteten Dinge hinweg, wegen denen ich früher von meiner Mutter eins hinter die Löffel bekommen hätte. Gut, daß ich nicht deine Mutter bin.
Vom vielen Laufen bekomme ich Muskelkater. Keine Aussicht auf Entspannung in der heimischen Wohnung, denn dort schrubbe ich gleichmütig den Dreck von vier riesigen Hundepfoten weg. Dreimal täglich. Eigentlich hasse ich putzen.
Schlimmer als alles andere scheint mir jedoch die ständige Konfrontation mit stark sauerstoffhaltiger Luft zu sein. Sie macht mich fertig. Schon mittags drohe ich, vor Müdigkeit aus den Latschen zu kippen. Mein Schlafbedarf ist übermächtig. Knochen und Muskeln, deren Existenz ich in der Vergangenheit nie zur Kenntnis genommen habe, machen sich durch vehementes knacken und quietschen bemerkbar. Dafür weicht die einstige Kneipenblässe langsam einer frischen, rosigen Gesichtsfarbe.
Auch gut, denke ich und mein Fazit nach einer Woche als Hundehalterin lautet: Körper aua, Kopf müde – aber Seele glücklich. Das Hundefieber hat mich gepackt.
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